Herausforderung verlängerter Umtrieb
Der Jahresumtrieb war langezeit sehr beliebt vor allem aufgrund seiner einfachen Planbarkeit. Mittlerweile sind aber verlängerte Umtriebe mit einer Nutzungsdauer über die 72. Alterswoche hinaus weit verbreitet. Als Legehennenhalter stellt einem diese Situation vor gewisse Herausforderungen, die es zu meistern gilt.
Tiergesundheit im Allgemeinen
Jede Störung der Tiergesundheit kann potenziell dazu führen, dass die Hennen eine Schwächung für den Rest ihrer Lebensdauer mit sich tragen. Der Grundstein für das Leben jeder Legehenne wird selbstverständlich in der Aufzucht gelegt. Die Aufzuchtorganisationen aber auch wir als Futtermühle sind im Hinblick auf eine längere Umtriebsdauer stärker gefordert. Sobald die Junghennen auf dem Legebetrieb sind, kann der Legehennenhalter aber seinen Einfluss geltend machen.
Der erste Schritt hierbei ist ein guter Start in die Legeperiode. Zusammengefasst heisst das Motto bei der Umstallung: Tun Sie das Mögliche, um den Stress für die Hennen möglichst gering zu halten. Dazu gehört insbesondere auch die Unterstützung mit Fütterungshilfsmitteln wie Milchsäurebakterien, Clostat oder Vitaminen. Hilfsmittel sollen aber in einem vernünftigen Mass eingesetzt werden, sonst verlieren sie ihren Effekt. Wenn z.B. immer Milchsäurebakterien in höherer Dosis eingesetzt werden, gibt es einen gewissen «Gewöhnungseffekt». Die eigenen Regulationsprozesse im Darm «schlafen ein» und wenn es dann mal zu einem zusätzlichen Stress kommt, fehlt ein «schlagkräftiges Mittel» zur Gegenwehr.
Weiter gilt – und das wird leider oft zu wenig gemacht – die Tiergesundheit auch mit Kotproben zu überwachen. Wir empfehlen eine Kotprobe ca. 1 Woche nach dem Einstallen. Eine nächste Kotprobe soll zwei bis drei Wochen später erfolgen (vor Erreichen der Legespitze). Die dritte Probe soll ca. in AW 27/28 erfolgen. Anschliessend ist nicht mehr eine so enge Überwachung notwendig. Achten Sie bei den Kotproben jeweils darauf, dass die Proben mit der McMaster-Methode analysiert werden. Bei dieser Variante werden die Wurmeier und Kokzidien ausgezählt.
Lebergesundheit im Speziellen
Robert Pottgrütter (ehem. Lohmann Deutschland) formulierte in einem Artikel zur Legehennenfütterung bis zur 100. AW, dass nach einem guten Start in die Legeperiode die Leber das wichtigste Organ der Legehenne sei. Die Leber stellt nahezu alle Grundnährstoffe für die Entwicklung von Eigelb und Eiweiß bereit und unterstützt die Bildung der Eischale. Was kann man also tun, um die Lebergesundheit zu unterstützen? Wir setzen seit Jahren standardmässig ein Kräuterprodukt ein, welches die Lebergesundheit speziell unterstützt. Es geht insbesondere darum, einer Leberverfettung entgegenzuwirken. Christian Jaun (Vital AG) rät zudem, bei längeren Umtrieben eine Leberkur in AW 30 und AW 50 zu machen. Dafür gibt es am Markt verschiedene Produkte, die aber hauptsächlich auf Cholin basieren. Cholin wird benötigt, um in der Leber NEFA (Fettsäuren aus dem Körperfett-Abbau) auf gesunde Weise zu verwerten und das Risiko der Fettleberbildung zu reduzieren.
Schalenqualität
Mit zunehmender Legedauer nimmt die Schalenstabilität ab. In einer durchschnittlichen Eierschale sind ca. 2g Kalzium enthalten. Die Qualität der Eischalen ist somit stark von der Ca-Versorgung abhängig. Erstmal ist es wichtig, eine gute Abdeckung über die Fütterung zu erreichen. Es muss
genügend Kalzium zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen – nämlich dann, wenn die Eischale gebildet wird. Am Tagkönnen die Hennen via Futter Kalzium aufnehmen. In der Nacht müssen die Kalzium-Bestandteile der letzten Futterportionen herhalten. Diese Vorräte reichen aber noch nicht aus. So kann das Huhn aus den langen Röhrenknochen Kalzium mobilisieren. Dass die Schalenfestigkeit mit zunehmendem Alter der Hennen abnimmt, hat vor allem damit zu tun, dass diese Mobilisation zunehmend erschöpft. Umso wichtiger ist es, dass mit längerer Legedauer zunehmend Kalzium ergänzt wird. Deshalb empfehlen wir ein 2. Phase-Futter ab ca. der 45 AW. Wichtig kann aber auch eine gezielte Ergänzung mit Muschelschalen bei der letzten Fütterung sein.